Auf dem Jakobsweg durch Portugal: Erfahrungen & Tipps zur Vorbereitung

Ausrüstung für den Jakobsweg
Die letzten zwei Wochen waren aus sportlicher Sicht ein wenig intensiver als sonst. Insgesamt war ich 360 km zu Fuß auf dem Jakobsweg in Portugal (und Spanien) unterwegs. Im Durchschnitt 24 km täglich, am längsten Tag waren es 40 km. Immer dabei natürlich mein 9 kg schwerer Rucksack (Schlafsack, Kleidung, Proviant und Regenschutz). Das klingt nicht gerade nach einem erholsamen Urlaub, doch mit der richtigen Vorbereitung kann eine solche Fernwanderung richtig Spaß machen. 🙂
Zu Fuß erlebt man die großartige Natur aus einer ganz anderen Perspektive, lernt interessante Menschen und Kulturen kennen und ganz nebenbei tut man auch einiges für die Fitness. Daher hier mal eine kleine Zusammenfassung:

Was ist eigentlich der Jakobsweg?

jakobswege-in-europaDer Jakobsweg ist im Grunde genommen ein Wegenetz, das durch ganz Europa führt und im spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela (beim angeblichen Grab des Apostels Jakobus) endet. Man kann also auch in Deutschland auf dem Jakobsweg wandern bzw. pilgern, doch wirklich populär wird der Weg erst in Spanien. Der ein oder andere kennt Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ oder hat den Film „Dein Weg“ mit Martin Sheen in der Hauptrolle gesehen. Beide handeln von der Wanderung auf dem spanischen Hauptweg Camino Frances. Dieser führt von den Pyrenäen durch Nordspanien bis nach Santiago und hat sogar eine Länge von über 800km und ist damit mehr als doppelt so lang, wie der von mir gelaufene portugiesische Weg. Wer diesen Weg laufen möchte, benötigt allerdings mindestens einen Monat Zeit, also mehr als die meisten von uns Urlaub haben. Außerdem ist der spanische Weg durch die vielen Bücher und Filme mittlerweile sehr populär geworden. Die Wanderung gleicht dort in den Sommermonaten eher einem Spaziergang auf einer belebten Einkaufsstraße – und das ist auch nicht jedermanns Sache. Aus diesen Gründen habe ich mich für die weniger bekannte Variante des portugiesischen Jakobswegs (Caminho Português) entschieden. Der Weg beginnt in Porto und führt nordwärts, zunächst entlang der Atlantikküste und später im Landesinneren durch den grünen Norden Portugals. Man läuft durch idyllische Dörfer, über historische Römerbrücken, durch Pinienwälder, Wiesen und Weinanbaugebiete bis nach Santiago de Compostela (240 km). Wer, wie ich, dann noch nicht genug vom Wandern hat, kann weitere 120 km bis zur Atlantikküste laufen (nach Finisterre / Muxia) und sich am Strand von den Strapazen der vergangenen Wochen erholen.

jakobsweg-unterwegs

Die Vorbereitung ist wichtig

Eine solche Fernwanderung stellt natürlich eine erhebliche körperliche Belastung dar. Praktisch jeder, den ich unterwegs getroffen habe, hatte mit diversen Problemen wie 1) Blasen 2) Knieproblemen 3) schmerzenden Fußsohlen oder 4) muskulären Problemen zu kämpfen. Zwar kann man sich vor einer solchen Fernwanderung nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten, viele Probleme lassen sich mit einer guten Vorbereitung verhindern. Fehlende Blasenflaster beziehungsweise Pflaster minderer Qualität haben das Wandervergnügen in einigen Fällen erheblich einschränkt. In einem anderen Fall führte die falsche Behandlung (Aufschneiden der Blasen) sogar zu einer Infektion. Etliche Pilger hatten zudem Knieprobleme, zum Teil bedingt durch den viel zu schweren Rucksack. Da ich fast schmerzfrei unterwegs war (Nur ein paar kleine Blasen :-)), im Folgenden ein paar Vorbereitungs-Tipps:

Die richtigen Schuhe?

Den optimalen Schuh für den Jakobsweg gibt es leider nicht, zu unterschiedlich waren die einzelnen Etappen und zu wechselhaft auch das Wanderwetter. Als Erstschuh hatte ich robuste Trekkingschuhe (knöchelhoch und wasserdicht) dabei. Diese waren ideal für das unwegsame Gelände und die schlecht ausgebauten Wanderwege. Insbesondere an den fünf Regentagen waren diese unverzichtbar.

jakobsweg-schlamm

Auf der anderen Seite führte der Jakobsweg regelmäßig über lange und harte Asphaltstrecken (z.B. entlang wenig befahrener Dorfstraßen/Strandpromenade in Porto). Trekkingschuhe sind hierfür eigentlich zu schwer, ich hatte zusätzlich noch ein paar Laufschuhe mit weicher Dämpfung im Rucksack. Vor dem Jakobsweg hatte ich zwar Bedenken, da Laufschuhe die Füße nicht wirklich schützen und das Umknicken mit schwerem Rucksack nochmal deutlich riskanter ist. Zur Unterstützung der Bänder, habe ich Sportbandagen aus dem Sanitätshaus benutzt.

Strandpromenade in Porto

Strandpromenade in Porto

Laufvorbereitung / Schuhe einlaufen / Vorbeugende Fußpflege

Schlecht eingelaufene Wanderschuhe führen zu Beginn schnell zu Blasen und damit wird das Wandern wiederum zur Tortur. Extrem wichtig ist das vorherige Einlaufen der Schuhe! Auch mit dem Konditionstraining sollte man nicht erst unterwegs beginnen, ansonsten sind muskuläre Probleme vorprogrammiert. Die beiden Punkte lassen sich aber gut miteinander verbinden:

  • Einlaufen der Schuhe: Ideal sind ein paar Probewanderungen von 10-20 km Länge inkl. Rucksack. Nur so kann man feststellen, ob die Schuhe tatsächlich ideal sitzen. Außerdem kann man so besser einschätzen, welche Etappenlängen zu Beginn angemessen sind.
  • Wanderschuhe im Büro/oder zuhause tragen: Wer aus Zeitmangel keine längeren Probewanderungen schafft, sollte die Wanderschuhe zuhause oder im Büro tragen und zumindest dort ein wenig einlaufen.
  • Hirschtalgcreme: Die gute alte Hirschtalgcreme gehört bei vielen erfahrenen Wanderern zur Standardausrüstung. Diese macht die Haut strapazierfähig, geschmeidig und verhindert somit Blasen. Bereits eine Woche vor der Wanderung sollte man zur Vorbereitung die Füße täglich damit einschmieren!
  • Wandersocken: Beim Wandern sollte man spezielle Wandersocken tragen. Diese sind in der Regel speziell an den linken/rechten Fuß angepasst und an den wichtigen Stellen wie der Ferse / den Zehen zusätzlich gepolstert. Die bei den Wandersocken verwendeten Funktionsmaterialien sorgen dafür, dass die Füße trocken bleiben und sich nicht so schnell Blasen bilden. Damit Wandersocken perfekt anliegen, sollte man diese ggf. eine Nummer kleiner kaufen.
  • Socken nicht waschen (Optional): Mehrere Wochen mit ungewaschenen Socken zu laufen, ist schon aus Geruchsgründen sehr bedenklich. Hintergrund ist aber, dass gewaschene Socken die Haut entfetten und dadurch reizbar machen. Wer die Füße täglich mit Hirschtalgcreme eincremt/einfettet, kann diesen Tipp aber ignorieren. 😉

Der Rucksack

Je schwerer der Rucksack, desto größer die Belastung für Füße und Knie. Während erfahrene Bergwanderer durchaus 20kg schultern können, sind für Normaltrainierte schon 10kg deutlich zu viel.

  • Weniger ist mehr: Dass Gewicht des Rucksacks, sollte ca. 10-12% des Körpergewichts nicht überschreiten. Wer also 70kg wiegt, sollte versuchen maximal 8,5 kg mitzuschleppen. Proviant sollte man immer nur für den gleichen Tag mitschleppen und alles Nötige eben unterwegs kaufen. Hier gibt‘s meine Packliste für den Jakobsweg.
  • Verteilung: Schwere Gegenstände sollte man relativ weit oben im Bereich der Schultern / nahe beim Körper platzieren.
  • Knieprobleme: Da der schwere Rucksack insbesondere die Knie belastet, sollten empfindliche Wanderer über den Erwerb von Nordic-Walking Stöcken nachdenken. Diese entlasten die Knie um bis zu 30%. Kniebandagen aus dem Sanitätshaus können ebenfalls hilfreich sein. Zusätzlich sollte man eine halbe Tube Voltaren o.ä. von zuhause mitbringen.
  • Ultra-Light Trekking: Wer noch mehr Gewicht sparen möchte, dem empfehle ich das Buch „Trekking ultraleicht“. Mittels kreativer Ideen lernt man hier, wie das Gewicht noch weiter zu reduziert werden kann.

Der erste Wandertag

Insbesondere am ersten Wandertag überschätzen sich viele und laufen Etappen von 30-40 km Länge zum Einstieg. Während trainierte Läufer damit keine Probleme haben, ruinieren sich die unerfahrenen Wanderer damit die Füße und eine Tour des Leidens beginnt! Bei manchen ist auch bereits nach dem ersten Tag Schluss. Ich bevorzuge daher den sanften Wandereinstieg:

  • Limit in der ersten Laufwoche: Wer im Vorfeld nicht so intensiv trainiert hat, sollte die Fernwanderung mit kleineren Etappen beginnen und in der ersten Woche täglich maximal 20-25km laufen. Das hat bei mir sehr gut funktioniert und in der zweiten Woche waren auch mehrere 30-40km Etappen hintereinander kein Problem mehr.
  • Pausen beim Laufen: Regelmäßige Laufpausen sind Pflicht. Schuhe und Socken ausziehen, Einlegesohlen herausnehmen und alles zusammen für eine halbe Stunde an der frischen Luft trocknen lassen.
  • Blasenpflaster immer griffbereit: Sobald man eine Blase am Fuß spürt, sollte man diese mit Blasenpflastern abkleben. Besonders gut finde ich die Pflaster der Marke Compeed. Diese kleben extrem fest (3-4 Tage) und auch Duschen ist mit diesen kein Problem. Andere Marken fallen hier schon mal ab und verhindern so die Heilung. Dank Gel-Polster spürt man mit den Compeed-Pflastern die Blase beim Laufen kaum noch. Also einfach draufkleben und weiter geht’s.
  • Doppelte Socken: Wer viele Blasen hat, sollte es mal mit einem doppelten Paar Wandersocken probieren. Die doppelte Schicht Socken reduziert nämlich die Reibung.
  • Pausentage: Bei gesundheitlichen Problemen kann ein Pausentag Wunder wirken. Ich hatte daher im Vorfeld einen Pausentag und 14 Lauftage eingeplant, allerdings diesen nicht benötigt.

Unterwegs

Laufen, Essen, Schlafen. Die Reduktion auf das Wesentliche gefällt mir so gut beim Wandern!

  • Laufen: Mit der richtigen Vorbereitung kein Problem. 😉
  • Orientierung: Alle 50-100 Meter sollte man nach gelben Pfeilen (alternativ Jakobsmuschel) auf dem Boden, Hauswänden usw. Auschau halten. Damit wird nämlich auf dem Jakobsweg die Richtung angzeigt. Findet man mal keinen Pfeil, dann hilft häufig ein Blick in den Wanderführer. Einen Kompass benötigt man eigentlich nicht.

jakobsweg-pfeil

  • Kalorienverbrauch: In einer Stunde verbraucht der Körper beim Wandern rund 650 Kalorien. Bei einer durchschnittlichen Laufdauer von 6 Stunden entspricht dies einem täglichen Kalorienverbrauch von ca. 3900 Kalorien.
  • Essen & Trinken: Anders als bei einem Marathon gibt’s auf dem Jakobsweg keine regelmäßigen Versorgungsstände, die mit Wasser, Obst oder isotonischen Getränken ausgestattet sind. Man muss also immer die Augen offen halten. In den meisten Orten findet man mindestens eine Dorfbar die Softdrinks und kleine Snacks anbietet.
  • Proviant für unterwegs: Es empfiehlt sich daher täglich einzukaufen. Äpfel, Bananen, Müsliriegel, Nüsse oder Studentenfutter haben ein gutes Gewicht-Kalorien-Verhältnis – also ideal für die Wanderung!
  • Übernachtung: Übernachtet wird in Pilgerherbergen die ca. alle 10-20km entlang des Weges zu finden sind. Geschlafen wird im Schlafsaal (häufig Stockbetten, manchmal Matratzenlager). In den Herbergen findet man Duschen, Küche und manchmal auch eine Waschmaschine (ansonsten muss man die Kleidung von Hand waschen). Der Übernachtungspreis liegt bei günstigen 5-6 Euro. Betten werden nach dem Schema „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ verteilt, d.h. man sollte im Verlauf des Tages nicht zu sehr trödeln. Meist waren die Herbergen gegen 16:00 belegt. Wer zu spät kommt, findet aber häufiger Hotels oder Pensionen in der nähreren Umgebung.
  • Pilgerausweis: Für die Übernachtung in den Herbergen benötigt man einen Pilgerausweis, welchen man vorab online bestellen kann (ebenfalls ca. 5 Euro).
  • Nachts: Wer schlafen möchte, sollte unbedingt Ohrstöpsel von zuhause mitbringen! Die nächtlichen Schnarchkonzerte waren grandios. 😉

pilgerherberge

Fazit

Schön wars! Wer dieses Jahr noch ca. zwei Wochen Urlaub hat und diesen ein wenig sportlicher verbringen möchte, dem kann ich den portugiesischen Jakobsweg unbedingt empfehlen!

Ein Foto direkt nach der Ankunft in Santiago de Compostela:  Brasilianer, Kanadier, Spanier und ein Deutscher kurz nach der Ankunft in Santiago.

Brasilianer, Kanadier, Spanier und ein Deutscher kurz nach der Ankunft in Santiago de Compostela.


5 Responses to Auf dem Jakobsweg durch Portugal: Erfahrungen & Tipps zur Vorbereitung

  1. Ariana 27. Juni 2013 at 19:37 #

    Herzlichen Dank für diesen informativen Artikel – besonders die vielen Tipps gegen Blasen sind toll! Und die Fotos machen direkt Lust darauf, den Abschnitt in Portugal einmal zu testen. Waren die Hotels/Pensionen ebenfalls sehr ausgebucht oder war es dort immer möglich, ein Zimmer zu finden?
    Liebe Grüsse
    Ariana

  2. Rainer 27. Juni 2013 at 20:59 #

    Hallo Ariana, Hotels und Pensionen waren in Juni nicht ausgebucht. Es gab zahlreiche Pilger die häufiger mal außerhalb der Herbergen genächtigt haben.

  3. Gregor 23. März 2014 at 20:14 #

    Schöne Zusammenfassung! Blasen behandelt ja jeder anders, deswegen wollte ich kurz meine Abneigung zu Compeed rauslassen. Erstens zu teuer und daher meiner Meinung eher für den gelegentlichen Gebrauch gedacht, nicht für eine Fernwanderung, da wird man ja arm. 🙂

    Ich persönlich steche auf, entferne die Haut (das mögen viele nicht), desinfiziere und klebe mit ganz normalem Pflaster ab, welches ich täglich wechsele.

    Aber das nur als Info, nicht Kritik.

  4. Rainer 31. März 2014 at 14:37 #

    Hallo Gregor,

    vielen Dank für dein Feedback!

    wenn du die Füsse vorher regelmäßig mit Hirschtalgcreme eincremst, bleiben diese geschmeidig und der Pflasterverbrauch entsprechend gering 😉 So zumindest meine Erfahrung.

    Wer auf die Sauberkeit und Hygiene achtet, kann die Blase natürlich auch aufstechen. Hier übrigens noch eine Anleitung: http://www.aktivblog.de/jogging-blase-am-fuss-was-tun-aufstechen-oder-nicht-tipps-zur-behandlung/

    Persönlich habe ich aber Bedenken. Die meisten Pilger sind vermutlich zu unerfahren und verwenden auch keine sterile Nadel bzw. desinfizieren nicht richtig. Normale Pflaster halten dann auch nicht so gut und fallen beim Duschen ggf. ab. In den Herbergen sind die hygienischen Verhältnisse ja auch nicht immer ideal, die Pilger zu erschöpft von der Wanderung und passen nicht auf…. Im Nu infiziert sich die Blase. Von dem her bevorzuge ich die einfache Variante „Blase mit Compeed abkleben und weiterlaufen“ 😉

    Viele Grüße

    Rainer

  5. Lara 4. Januar 2016 at 02:59 #

    Ganz ganz toller Blog! Ich denke mein Reiseziel für diesen Juli steht fest! 🙂

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