Ausbildung zum Ernährungsberater – Vorsicht bei der Auswahl!

Der Fitness- und Gesundheitsmarkt in Deutschland boomt, entsprechend suchen immer mehr Menschen den beruflichen Einstieg in die Branche. Die Bandbreite der Berufe und Tätigkeiten ist dabei sehr vielfältig und reicht vom Fitnesstrainer über Yoga Lehrer, Fitnesskaufmann bis hin zum Ernährungsberater. Insbesondere der Bereich Ernährung bietet aufgrund der steigenden Anzahl an ernährungsbedingten Krankheiten – jeder dritte Erwachsene ist übergewichtig – gute berufliche Perspektiven. Wer sich für Ernährungsthemen interessiert und auch andere diesbezüglich beraten möchte, kann den Brancheneinstieg als Ernährungsberater wagen.

Zu Beginn sollte naturlich eine Ausbildung zum Ernährungsberater stehen, doch leider ist schon die Suche nach dem richtigen Ausbildungsgang bzw. Träger schwierig und extrem unübersichtlich. Im Angebot gibt es scheinbar alles: Einmalige Wochenendseminare, berufsbegleitende Fernkurse bis hin zur mehrjährigen Vollzeit-Ausbildung. Damit Ihr nicht schon im Vorfeld den Überblick verliert, zeigen wir euch, worauf Ihr bei der Ausbildung unbedingt achten solltet:

Problem: Keine geschützte Berufsbezeichnung

Der sehr große Wildwuchs an Ausbildungseinrichtungen- und Möglichkeiten hat einen Grund: Ernährungsberater ist keine geschützte Berufsbezeichnung! Die Qualität der Ausbildung ist nicht gesetzlich geregelt und hängt im Wesentlichen von der jeweiligen Ausbildungseinrichtung ab. Im Grunde kann sich jeder in diesem Bereich selbstständig machen und Ernährungsberater nennen, auch ohne eine entsprechende Qualifikation vorweisen zu können. Daher arbeiten Institutionen wie z.B. Krankenkassen nur mit Ernährungsberatern zusammen, wenn diese einen bestimmten Berufsabschluss/Studium oder ein spezielles Zertifikat vorweisen können. Ohne entsprechende Ausbildung verweigern die Kassen die Zusammenarbeit, es kann dann nur privat und ohne Kassenrezept gearbeitet werden. Problematisch für den angehenden Ernährungsberater ist dann natürlich, dass sich die Kunden lieber dort beraten lassen, wo die Beratung von der Kasse bezahlt wird. Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, sollte einen anerkannten Ausbildungsweg einschlagen:

1. Ausbildung zum staatlich anerkannten Diätassistenten

Ein seriöser Einstieg in die Ernährungsberatung ist die Ausbildung zum staatlich anerkannten Diätassistenten. Die Ausbildung dauert drei Jahre und die Lehrinhalte sowie die Prüfung ist bundesweit einheitlich geregelt (DiätAss APrV). Lehrinhalte sind beispielsweise Lebensmittelkunde, Ernährungslehre, Ernährungsberatung, Diätologie, aber auch Fächer wie Anatomie und Erste Hilfe. Die Ausbildung zum Diätassistenten wird von den Krankenkassen anerkannt, so dass einer späteren Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen nichts im Wege steht. Die Ausbildung kann deutschlandweit an knapp 60 staatlich anerkannten Schulen durchgeführt werden (Liste der Schulen), darunter finden sich Schulen in den meisten deutschen Großstädten wie z.B. Berlin, Hamburg, Hannover, Frankfurt, München oder Stuttgart. Die Ausbildung beinhaltet 4.450 Unterrichtsstunden (3.050 Theorie / 1.400 Praxis). Zulassungsvoraussetzung für die Ausbildung zum Diätassistenten ist ein mittlerer Bildungsabschluss/Realschulabschluss. Die Ausbildung zum Diätassistenten ist schulisch und kostet in den meisten Fällen Schulgeld (100-200 Euro monatlich). Zur Förderung kann aber BAföG, Fahrgeld, Wohngeld etc. beantragt werden.

2. Studium der Ernährungswissenschaften

Wer die Hochschulzugangsberechtigung besitzt, kann anstelle der Ausbildung zum Diätassistenten auch ein Studium der Ernährungswissenschaft/Ökotrophologie beginnen. Das Studium ist an den zahlreichen Universitäten/ Hochschulen (z.B. in Potsdam, Kiel, Jena oder Gießen) möglich. Wer Ernährungswissenschaften studieren möchte, benötigt allerdings ein sehr gutes Abitur (NC 2012 zum Teil bei 1,6) oder muss mit einer längeren Wartezeit rechnen. Die meisten Hochschulen haben bereits auf Bachelor (Regelstudienzeit drei, höchstens 4 Jahre) und Master (1-2 Jahre) umgestellt. Was die Kosten für das Studium betrifft, wurden Studiengebühren mittlerweile in den meisten Bundesländern abgeschafft. Zur Förderung kann genau wie beim Diätassistenten BAföG und Co. beantragt werden. Das abgeschlossene Studium der Ernährungswissenschaften/Ökotrophologie wird für die Tätigkeit als Ernährungsberater ebenfalls von den Krankenkassen anerkannt.

3. Zertifikat „Ernährungsberater/DGE“

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bietet eine Weiterbildung zum „Ernährungsberater/ DGE“ an. Der Ernährungsberater/DGE wird ebenfalls von den Krankenkassen anerkannt, so dass eine Abrechnungsmöglichkeit mit den Krankenkassen besteht. Zugangsvoraussetzung ist allerdings die vorherige Ausbildung zum Diätassistenten oder ein Studium der Ernährungswissenschaft/Ökotrophologie. Die Weiterbildung zum Ernährungsberater/DGE ist berufsbegleitend möglich wobei Teilnehmer die Wahl zwischen einen Intensivkurs (56 Unterrichtseinheiten) und Kompaktkurs (215) haben. Der Präsenz-Unterricht findet in Bonn statt. Die Weiterbildung kostet 975 Euro (intensiv) oder 2.350 (kompakt).

Weiterbildung für Quereinsteiger? Fernstudium neben dem Beruf?

Viele Menschen entdecken ihr Interesse für den Beruf des Ernährungsberaters allerdings erst zu einem Zeitpunkt, in dem sie bereits einer festen Tätigkeit nachgehen. Dann ist es oft schwierig, mit einer erneuten Vollzeit-Ausbildung oder einem Studium zu beginnen, nicht zuletzt auch aufgrund der damit verbundenen finanziellen Einbußen. Für diesen Fall gibt es noch die Möglichkeit einer Weiterbildung im Rahmen eines Fernstudiums/Fernkurses oder eines IHK-Lehrgangs. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte sich aber über Folgendes bewusst sein:

  • Schwieriger Berufseinstieg: Der Berufseinstieg mit einem Zertifikat einer privaten (möglicherweise wenig bekannten) Akademie ist deutlich schwieriger als für Personen mit einer staatlich anerkannten Vollzeit-Ausbildung oder mit Hochschulstudium. Die Zusammenarbeit mit Krankenkassen, Arztpraxen oder Krankenhäuern ist in der Regel nicht möglich. Wer aber das Risiko der Selbstständigkeit nicht scheut, oder nur privat Leute beraten möchte, für den reicht ein Fernstudium aus.
  • Lehrplan: Da die Lehrpläne nicht staatlich vorgegeben sind, sollte man vor der Auswahl selbst die Lehrinhalte prüfen: Diese sollten sich an den Lehrplänen/Richtlinien z.B. der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) oder Diätassistenten-Ausbildung orientieren und Themen wie Anatomie und Physiologie des Menschen, Lebensmittelkunde, Ernährungspsychologie, Ernährung als Prävention und Krankheitsvorbeugung….. beinhalten.
  • Dauer der Ausbildung: Ein Wochenendseminar kann die Themen natürlich nur unzureichend abdecken und den Teilnehmer auch nicht qualifizieren, daher sollte auf eine angemessene Stundenzahl geachtet werden. Viele seriöse Fernkurse sind auf eine Studiendauer 500-600 Stunden / 1 ½ bis 2 Jahren ausgerichtet.
  • Kosten: Die Kosten hängen von der einzelnen Fernhochschule ab und richten sich unter anderem nach der Dauer der Ausbildung. Hier gilt es Angebote zu vergleichen. Ein über 1 ½ halb Jahre dauernder Fernkurs kostet um die 2.000 Euro.

2 Responses to Ausbildung zum Ernährungsberater – Vorsicht bei der Auswahl!

  1. Florian 26. Juli 2013 at 15:09 #

    Ich hatte meine Ausbildung zum Ernährungsberater damals auch im Fernstudium gemacht. Wichtig war mir dabei jedoch, dass der Lehrgang von der QUETHEB e.V. anerkannt war. So konnte ich meinem jetzigen Arbeitgeber von der Qualität der Ausbildung überzeugen.

  2. Stefan 29. August 2013 at 11:34 #

    Da wie der Aritkel richtig hervorhebt, der Beruf des Ernährungsberaters kein geschützter Beruf ist, sollte während der Ausbildung auch darauf geachtet werden, dass die DGE Richtlinien eingehalten werden.

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