EMS Training: Muskeln aufbauen und Gewicht verlieren mit Reizstromgeräten?

Muskeln aus der Steckdose? Entsprechende Reizstromgeräte oder auch EMS-Maschinen, die mit ihren sanften Stromschlägen eine Muskelkontraktion hervorrufen, werden in diversen Shoppingsendern im TV angepriesen. Einfach auf die Couch legen, sich eine EMS-Maschine um den Bauch binden und ganz beiläufig ohne körperliche Bewegung, ohne Schweiß und große Anstrengung das Fett verbrennen und Muskeln aufbauen. Doch was ist von solchen Geräten zu halten?

Die Idee von der muskulären Elektromyostimulation (EMS) ist alles andere als neu. Schon seit den 70er Jahren findet sie vor allem in der Medizin bzw. Physiotherapie breiten Zuspruch. Dort sind Reizstromgeräte auch durchaus zu empfehlen. Sei es um Muskelverspannungen zu lockern, stark übergewichtigen Patienten den Muskelaufbau etwas zu erleichtern oder als Unterstützung in der Rehabilitation. Zudem können Sportler dank EMS durchaus zur Verkürzung der Regenerationszeit nutzen.

Muskelaufbau beim Fernsehen dank EMS-Training?

Sixpack. Foto: Flickr/Melanie-m

Sixpack. Foto: Flickr/Melanie-m

Doch natürlich haben sich einige Unternehmen den Wunsch vieler Privatpersonen nach einem effektiven Muskelaufbau ganz (oder weitestgehend) ohne Krafttraining und Sport zum Nutze gemacht und prangern die unterschiedlichsten EMS-Geräte an. Ob der Abtronic Spezialgürtel für Muskeltraining oder Slendertone Bauchtrainer, um nur zwei Beispiele zu nennen. Für 30 bis 60 Euro bekommt kann man sich beim Fernsehen an allen beliebigen Stellen wahre Muskelpakete „antrainieren“ – so lautet zumindest das Versprechen. Doch die Realität sieht anders aus.

Mehr Muskeln dank EMS?

Zwar lässt sich durch EMS ein minimaler Muskelzugewinn vermerken, doch im Vergleich zu den Erfolgen, die man bei einem normalen Krafttraining erzielen kann, liegen Welten dazwischen. Im Alltag macht ist das „Mehr“ an Muskelmasse nicht nur kaum spürbar, sondern schon gar nicht sichtbar. Nur durch richtiges Training können mit der Zeit pro Kontraktion mehr Muskelfasern angesprochen werden, was zu einer höheren Muskelkraft führt. Reagiert der Muskel dagegen nur auf extern herbeigeführte, leichte Stromschläge – wie beim EMS – lernt der Körper nicht, wie die Muskeln effektiv kontrahiert werden.

Abnehmen mit EMS?

Während man in Sachen Muskelaufbau durch das Reizstromtraining kleine Erfolge feiern kann, sollte man nicht auf das Versprechen der Fettverbrennung, Bikinifigur und Abnehmen reinfallen, die immer wieder bei den Verkaufssendungen mit tollen Vorher-Nachher-Bildern unterstrichen werden. Erstens kann der Körper nur dann Abnehmen, wenn tatsächlich Bewegung stattfindet und gearbeitet wird. Dann werden u.a. die Fettreserven als Energiequelle angezapft. Die Muskelkontraktion, die durch die Reizstromgeräte hervorgerufen werden, umgehen die bio-chemischen Prozesse. Entsprechend wird auch keine Energie verbrannt.

Und auch das Versprechen von einem Sixpack und Apfelpopo durch das Umschnallen der EMS-Geräte an diesen Körperstellen funktioniert nicht. Denn eine punktuelle Fettverbrennung ist weder beim normalen Ausdauer- und Krafttraining möglich, noch durch elektrisch erzeugte Kontraktionen.

Fazit EMS-Training

Jeder der sich in seiner Freizeit etwas mit Sport und Fitness auseinandersetzt, wird wissen, dass das Training mit EMS-Geräten auf gar keinen Fall ein herkömmliches Krafttraining zum Muskelaufbau oder Ausdauertraining zum Abnehmen ersetzen kann. Die Methode kann als Ergänzung vielleicht sinnvoll sein, vor allem bezüglich der verkürzten Regenerationszeit.

Doch wer glaubt, dass man beim Sitzen auf der Couch und dank ein paar sanfter, elektrischer Stromschläge sowohl Muskeln auf- als auch Fett abbaut, ist schief gewickelt. Lasst euch nicht von leeren Versprechen blenden. Spart das Geld und gönnt euch ein paar Sportkurse.

Falls ihr Erfahrungen mit EMS-Geräten gemacht habt, dann teilt diese doch bitte mit.


6 Responses to EMS Training: Muskeln aufbauen und Gewicht verlieren mit Reizstromgeräten?

  1. Stefan 14. April 2011 at 14:19 #

    Hallo,
    hab auch mal so ein Teil geschenkt bekommen, gekauft hätte ich es mir definitiv nicht. Da merkst du mal ein paar kleine Stromschläge oder mehr so eine kleine Vibration mehr nicht. Jetzt kann ich kaum noch laufen vor lauter Muskeln. :)))
    Ne ne, ist wirklich rausgeschmissenes Geld. Vielleicht als kleine Massage für den Nacken geeignet aber mehr nicht.

    Viele Grüße
    Stefan

  2. Matilde 15. April 2011 at 12:56 #

    Ich denke, dass das Ziel, des Sprottreibens, ist nicht nur der Aufbau von Muskeln. Zum Sport gehören viele andere Sachen. Für mich ist es wichtig, dass man sich auspowern kann, dass man dabei die Gedanken abschalten kann und dadurch den Alltagsstress abbauen kann. Das kann man beim Sitzen oder Liegen nicht erzielen.

  3. Frank 16. April 2011 at 10:29 #

    Ich denke auch: Wo es um den Body bzw. die „Figur“ geht („Sixpack“ oder die „Bikinifigur“), ist EMS Training eher Fehlanzeige.
    Etwas Muskelaufbau ist möglich, ersetzt aber nicht herkömmliches Muskelaufbautraining. Man kanns halt „bequem“ nutzen – ist aber schon alles.
    Mein Hauptpunkt ist jedoch: Sport und Fitness gehen für mich nicht zusammen mit „Sofa-sitzen“. Da ist mir die „Denke“ einfach nicht richtig.
    Grüsse
    Frank

  4. Andreas 27. Juni 2011 at 09:59 #

    EMS ist ein gutes Prinzip, wenn richtig angewendet. Für Personen mit Disbalancen oder in Reha einfach ein nur gut !

  5. Juergen 17. August 2011 at 11:31 #

    „Die Muskelkontraktion, die durch die Reizstromgeräte hervorgerufen werden, umgehen die bio-chemischen Prozesse. Entsprechend wird auch keine Energie verbrannt.“

    Diese Aussage stimmt definitiv nicht, egal wie ein Muskel kontrahiert, dazu wird Energie benötigt. Die durch die Kontaktion freigesetzte Energie kommt nicht durch den Strom….

    Grüße

  6. Paul 16. Februar 2012 at 09:20 #

    Vielen Dank für den kritischen Artikel.

    Bei uns in der Nähe hat eine Bodystreet Filiale eröffnet und wirbt mit diesem Programm. Wie immer verkauft man den Kunden für blöd und kassiert schön ab. Schlimm das mit den Träumen anderer gespielt und ein Geschäftsmodell betrieben wird.

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