Joggen: Gibt es den richtigen Laufstil?

Joggen hält fit, gesund und ist zudem leicht auszuüben. Jeder findet in seiner Nähe einen Park, Wald oder andere geeignete Laufstrecke und große technische Fertigkeiten werden auch nicht verlangt. Wären da nicht die unterschiedlichen Laufstile, auf die aber nur die wenigstens bewusst achten. Die meisten Laufen einfach nach Gefühl. Oftmals ist das auch völlig in Ordnung. Doch in speziellen Fällen lohnt es sich, seinen Laufstil zu ändern.

Gibt es aber den „richtigen“ Laufstil überhaupt? Eigentlich nicht. Denn wichtig ist, dass der Laufstil effizient ist. Im Klartext heißt das, dass wir für eine ausgewählte Laufgeschwindigkeit so wenig Energie wie möglich verbrauchen sollten. Obwohl jeder Laufstil individuell ist, lass sich dennoch einige typischen Punkte des optimalen Laufstils aufzeigen.

Laufstil: Schrittlänge und –frequenz nicht verändern

Die Steuerung der Schrittlänger und Schrittfrequenz soll stets dem Unterbewusstsein überlassen bleiben. Nur wir entscheiden, wie schnell wir laufen, der Rest ergibt sich automatisch und ist damit optimal. Wer anfängt, an der Steuerung der Schrittlänge und Schrittfrequenz herum zu experimentieren, der wird den Energieverbrauch in die Höhe treiben. Daher: Finger weg!

Jogge. Laufschuh. Foto: Flickr/tangywolf

Jogge. Laufschuh. Foto: Flickr/tangywolf

Auf Körperteile achten

Je weiter die Teile unseres Körpers vom Körperschwerpunkt (ungefähr in Höhe des Beckens) entfernt sind, desto mehr Aufwand haben wir, diese zu bewegen. Was kann man daraus schließen? Arme eng am Körper halten, die Ellenbogen sind ungefähr im rechten Winkel gebeugt, der Oberkörper ist leicht vorgeneigt und sollte dabei möglichst entspannt sein.

Während diese beiden Punkte klar sind, wird es bei der Frage nach dem richtigen Aufsetzen des Fußes schon komplizierter. Mit dieser Thematik beschäftigen sich nicht umsonst viele Läufer, Wissenschaftler und nicht zuletzt die Schuhindustrie. Über allem steht die Frage: Wo würde ich als erstes mit dem Fuß auftreten, wenn ich keine Schuhe tragen würde? Mit der Ferse, mit dem Mittelfuß oder mit dem Vorfuß?

Fersenlauf für Joggen nicht optimal

Die Fettpolster der Ferse dienen als Dämpfungsmechanismus beim Gehen und Abrollen über die Ferse. Beim Joggen reichen sie aber nicht aus, um die aufkommenden Kräfte abzufangen. Wenn behauptet wird, man würde mit dem Fersenlauf „Raum beim Abrollen gewinnen“, ist das falsch. Entscheidend ist der Ort des Abdrucks, und der findet bei allen drei Fußaufsätzen über den großen Zeh statt.

Nachteil vom Vorfußlauf

Läuft man auf dem Vorfuß, ist das instabil und kraftaufwendig, da Wadenmuskulatur und Achillessehne die ganze Arbeit übernehmen. Das Mittelfußgewölbe ist zunehmend funktionslos und die Vorfußknochen werden stark belastet. Dies bezieht sich auf mittlere und geringe Laufgeschwindigkeit. Bei höheren Laufgeschwindigkeiten und beim Sprint – etwa 100 m – kommt es automatisch zum Vorfußlauf.

Daher laufen die meisten Jogger – rund 75 Prozent – über die Ferse. Nicht zuletzt auch, weil die Schuhindustrie durch den Bau von weichen und abfedernden Dämpfungssystemen in der Fersenpartie uns jahrzehntelang förmlich dazu gezwungen hat. Zudem besitzt der Fersenlauf im Vergleich zum Vorfußlauf keinen hohen Technikanspruch.

Gefahr von Laufschuhen mit Dämpfung

Dies soll keineswegs heißen, dass Fersenlaufstil zwangsläufig zu Überlastungsschäden führt. Schließlich passt sich der Körper dem Laufstil an, um Verletzungen zu vermeiden. Über die Jahre stellte man aber fest, dass weichere und intuitiv „bessere“ (weil schonendere) Laufschuhe zu keiner Verringerung der Verletzungshäufigkeit geführt haben. Im Gegenteil: Durch die starke Führung, Stützung und Dämpfung verkümmern die Fußmuskeln, da sie ihre natürliche Funktion nicht ausüben können.

Fazit: richtiger Laufstil?

Jeder Laufstil ist individuell, da jeder Mensch eine individuelle Ansammlung an körperlichen Voraussetzungen mitbringt – Körperstatik. Wer beim Fersenlauf verletzungsfrei bleibt, braucht entsprechend auch nicht seinen Laufstil ändern. Werden hingegen ambitioniert ist und bessere Laufleistungen vollbringen will, ist mit dem Mittelfußlauf besser bedient.


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