Mehr Muskeln gleich mehr Kraft?

Bedeuten viele Muskeln automatisch gleich viel Kraft? Oder kommt es bei Kraft mehr auf Technik an, statt einer großen Muskelmasse? Den Mythos vom aufgeblasenen Muskelprotz, der wenig Power in den Armen hat, als der optische Eindruck vermuten lässt, kennen wir alle. Was ist da dran?

Um der Frage auf den Grund zu gehen, folgt eingangs ein bisschen Theorie.

Die Muskeln setzen sich aus vielen kleinen Fasern zusammen, die sich zusammenziehen, wenn die Muskulatur anspannt wird. Auf diese Weise entstehen Bewegungen. Den Befehl zur Kontraktion sendet das Nervensystem an die Muskeln. Dabei werden aber nur so viele Muskelfasern rekrutiert, wie nötig sind, einen bestimmten Widerstand zu bewältigen. Ein Teil der Muskelfasern muss arbeiten, der andere Teil hat Pause. Je größer der Widerstand ist, bspw. beim Stemmen einer Hantel während des Trainings, desto mehr Fasern werden dazugeschaltet.

Muskeln. Foto: Flickr by RightIndex

Muskeln. Foto: Flickr by RightIndex

Rotation der Muskelfasern

Die Fasern im Ruhezustand bleiben aber nicht lange inaktiv. Sie bilden vielmehr eine Reserve. Schließlich ermüden Muskelfasern sehr schnell. Und sobald sie erschöpft sind, werden sie vom Nervensystem abgeschaltet und eine bis dahin inaktive Muskelfaser übernimmt die Arbeit. Ein perfekt funktionierendes Rotationsprinzip.

Geschützte Kraftreserven

Allerdings können nicht alle Muskelfasern gleichzeitig aktiviert werden. Untrainierte können in etwas 70 Prozent ihrer Kraft tatsächlich nutzen. Die übrigen 30 Prozent sind autonomisch geschützt und stehen lediglich in lebensbedrohlichen Situationen zur Verfügung, in denen man sprichwörtlich ungeahnte Kräfte freisetzen kann. Willkürlich stehen diese Kraftreserven nicht zur Verfügung.

Durch Krafttraining kann die Schwelle der genutzten Kraft verschoben werden. Spitzenathleten sind etwa in der Lage, bis zu 95 Prozent ihrer Kraft bewusst einzusetzen. Denn durch das Krafttraining werden gleichzeitig mehr Muskelfasern aktiviert, weil das Nervensystem effektiver arbeitet.

Zusammenspiel der Muskulatur

Um die Kraft zu steigern, muss aber nicht immer Masse aufgebaut werden. Ein besseres Zusammenspiel der Muskeln reicht schon aus. Denn ob beim Krafttraining oder einem Distanzschuss beim Fußball – es arbeiten immer mehrere Muskeln gleichzeitig zusammen. Das Muskelzusammenspiel hat einen wichtigen Einfluss auf die Kraft und ist wiederum vom Nervensystem abhängig. Somit ist klar: Man kann seine Kraft steigern, ohne dabei gleich viel Muskelmasse aufzubauen. Im Krafttraining sind hierfür weniger Wiederholungen und schwere Gewichte ideal, um stärker zu werden.

Mehr Eiweiß = mehr Kraft

Was ist also vom Mythos des aufgepumpten Muskelprotz ohne Kraft zu halten? Natürlich nichts. Die Muskelmasse spielt eine entscheidende Rolle für die Kraft. Werden durch Krafttraining mehr Muskeln aufgebaut, werden dabei auch mehr Eiweiße in die Muskelzellen eingebaut. Beim Anspannen der Muskeln greifen die Eiweiße wie Haken ineinander. Je mehr es sind, desto kräftiger sind die Muskeln und dementsprechend auch die Bewegung. Aber auch Physik spielt eine Rolle: Vergrößert sich die Muskelzelle, verbessern sich die Hebelkräfte und man wird stärker.

Fazit: Mehr Muskeln gleich mehr Kraft?

Den Mythos vom schwachen Muskelmenschen kann man vergessen. Muskeln sind die Grundlage für Kraft. Allerdings spielen das Nervensystem und Zusammenspiel der Muskulatur eine große Rolle bezüglich der Kraft. Krafttraining verbessert beides: muskulöser und kräftiger! Dafür sollte das Krafttraining abwechslungsreich sein, bei dem sowohl im Kraftaufbau-, Muskelaufbau- sowie im Kraftausdauerbereich trainiert wird. Das garantiert gute Ergebnisse bei Kraft und Masse.


One Response to Mehr Muskeln gleich mehr Kraft?

  1. Axel 2. Februar 2011 at 19:17 #

    Sehr schön,
    da habe ich wieder etwas fürs Leben gelernt.

    Axel

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